Anders verkabelt?

Ein Thema des Fernuni-MOOC: Gibt es eine „Digitale Generation“, die sich wesentlich von vordigitalen Generationen unterscheidet? Alternative Bezeichnungen sind unter anderen „Net-Generation“, „Digital Natives“ und „Homo zappiens“.

Ian Jukes behauptet:

„Kinder sehen heute so ziemlich genauso aus, wie wir als Kinder ausgesehen haben, aber innen drin sind sie völlig anders.“

Und wie sind sie innen drin?

„Sie sind im Gehirn anders verkabelt als wir.“

„Wegen des digitalen Bombardements verändern sich die Gehirne der heutigen Kinder physikalisch und chemisch.“

Wer seine Zeitreise in der Gutenberg-Galaxis begonnen hat, kann das auch in einem 20-seitigen Vortragsprospekt nachlesen:

Im Detail nicht ganz so extrem, aber in der Grundaussage gleich, meint Wim Veen, der Homo sapiens würde heutzutage den Homo zappiens ausbrüten. Die artbestimmenden Merkmale stellt er auf Folie 33 der folgenden Slideshare-Präsentation einander gegenüber.

Gegen solche Behauptungen einer völlig aus der Art geschlagenen Netzgeneration erhebt die Stimme der Vernunft Rolf Schulmeister. Leider in der popkulturell kaum verwertbaren Form des wissenschaftlichen Traktats. Es hätte auch keinen Sinn, in den Stockphoto-Datenbanken nach bunten Bildern mit dem Schlagwort „Kritisches Denken“ zu suchen.

Wem weniger Argumente genügen, kann Rolf Schulmeisters Ansichten auch in einem Chatprotokoll nachlesen.

Oder noch kürzer hier:

„Die Grundthese ist doch, dass es eine Generation in diesem Sinne gar nicht geben kann, sondern nur verschiedene Gruppen. Darum wird sich die Gruppe der nächsten Generation auch nicht als geschlossene Gruppe empfinden. Eine zweite These ist die, dass es immer selbstverständlich und alltäglich ist, wie man in der Umgebung lebt, in der man aufwächst. Währenddessen besagt die These der Net-Generation das Gegenteil, dass sie etwas anderes seien, beispielsweise veränderte Hirne hätten, eine andere Kultur, eine andere Psyche usw. Und das ist widerlegt worden. Ich habe in meinem Aufsatz auch deutlich gemacht, dass auch Versuche, bspw. Multitasking als Merkmal einer Generation zu bezeichnen, verkehrt wären, weil es einfach ein Gewöhnungsprozess ist. Ebenso kann man nicht sagen, dass die Ungeduld im Umgang mit diesen Geräten nur einer Generation zukommt. Jedem Benutzer erscheint ein älteres Gerät als langsam.“

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